"It takes as long as it takes"

Die meisten Fohlen werden auf der “open Range” oder auf riesigen Weiden geboren.  Diese Freiheit hat jedoch auch einen Nachteil: Sie haben nur wenig oder gar keinen Umgang mit Menschen. Dieser wird aber zwischen Absetz- und Jährlingsalter nachgeholt und die Jungpferde werden „halterbroke“, das heisst, sie werden ans Halfter gewöhnt und lernen Hufe zu geben, geführt und angebunden zu werden. Danach verbringen sie meistens wieder Jahre auf der Range. Manche werden das ganze Jahr über freigelassen, andere im Winter auf die Ranch zurück gebracht und gefüttert. Der Zeitpunkt des Einreitens hängt von den Bedürfnissen des jeweiligen Ranchers ab. Einige Pferde werden schon mit 3 bis 4 Jahren vorsichtig an Sattel gewöhnt und leicht eingeritten, manche auch nur als Packpferde mit leichter Ladung mitgenommen. Andere bleiben auf den Weiden, bis sie verkauft werden und erst dann trainiert. Schwere Arbeit müssen die Pferde aber meistens keine verrichten, bis sie mindestens 6 Jahre alt und reif genug dafür sind.

Wenn wir Pferde nicht selber aufziehen, kaufen wir sie im Alter von 3 bis 10 Jahren, wenn möglich ungeritten. Manche Pferde sind kaum oder gar nicht halfterführig, was je nach Alter und Charakter ein Nachteil sein kann und oft viel mehr Zeit braucht als das Training unterm Sattel.

 

Mit solchen Pferden nehmen wir uns extra viel Zeit, damit sie den Umgang mit Menschen von Anfang an als etwas Positives ansehen. Sobald sie keine Angst mehr zeigen beginnt, wie auch mit jedem anderen neuen Pferd, das Training am Boden. So lernen die Pferde dem zukünftigen Reiter zu vertrauen, gewöhnen sich an alle Möglichen Situationen und es wird ein wichtiger Grundstein gelegt: Das Pferd lernt zu lernen und dass es mitdenken darf und selber beinflussen kann, wieviel es arbeiten muss. Es lernt so schon das Prinzip von „Pressure and Release“, also Druck und Nachgeben, kennen und kann dies später im Sattel umsetzen. Jeder Druck wird langsam aufgebaut, damit das Pferd immer die Chance hat, auf die feinsten Hilfen zu reagieren. Damit werden Missverständnisse vorgebeugt und man gibt dem Pferd Sicherheit, indem man immer die gleichen Regeln vorgibt, egal ob am Boden oder im Sattel.

Bei der Bodenarbeit legen wir viel Wert auf „Grundmanieren“, wie entspannt das Halfter anziehen, Führen ohne zu überholen oder stehen zu bleiben, angebunden stehen, sich in Ruhe putzen und Hufe auskratzen lassen. Wenn solche Dinge funktionieren, geht die Bodenarbeit weiter mit dem Weichen Rückwärts und zur Seite, das Pferd am Seil auf einen Kreis senden, sowie das Gewöhnen an unbekannte Dinge wie eine Plane und auch an den Sattel.

Das erste Aufsteigen wird vom Zaun aus geübt, damit man das Pferd in Ruhe an den Reiter und die Bewegungen auf ihm gewöhnen kann.

 

Für den ersten Ritt brauchen manche Pferde noch die Sicherheit eines Führers oder eines ruhigen Pferdes zum Nachlaufen, andere fühlen sich von Anfang an wohl nur mit dem Reiter. Am Anfang soll das Pferd einfach mal lernen, mit dem neuen Gewicht zu laufen, wenn es das nicht schon vom Bepacken her kennt. Der Reiter ist also mehr oder weniger Passagier und versucht nur ab und zu die „Notbremse“ zu üben. Es muss für das Pferd selbstverständlich werden, auf den einseitigen Druck am Seil (Anfangs reiten wir noch mit Halfter und Führseil) den Kopf zur Seite Richtung Fuss des Reiters zu geben. Dies wird zuerst vom Boden aus geübt, dann vom Sattel. Wenn dann später das Pferd erschrickt, oder es Misverständnisse gibt, kann nur der Kopf zur Seite genommen werden. Es hat davor gelernt, sich so zu entspannen und kann nirgendwo hin. Auch die Biegung wird so verfeinert und das Pferd lernt auf ein leichtes Anzeigen mit der Hand die gewünschte Kopfhaltung anzunehmen. Wenn das Pferd anfängt entspannt unter dem Reiter zu laufen, lernt es die ersten Stops, Volten, Rückwärts, Wendungen etc., Anfangs nur im Schritt, dann auch im Trab und später im Galopp. Da wieder das gleiche Prinzip von Druck und Nachgeben wie am Boden angewendet wird, lernt das Pferd sehr schnell. Die Trense hatte es bisher nur zur Gewöhnung im Maul, mit der Zeit wird sie auch eingesetzt und das Halfter kann weggelassen werden. Auch kann es schon auf dem grossen Reitplatz geritten werden und langsam ins Gelände, zuerst mit einem anderen Pferd zusammen, dann auch alleine. Unsere Pferde werden an Verkehr, Hunde, Traktoren, Fahrräder etc. gewöhnt, damit können sie sich ohne Probleme auch an die neue Umgebung in Europa anpassen.

 

 

Durch die Anwendung von Druck und Nachgeben, sowie von dem jeweiligen Tier angepassten Belohnungen, entwickeln die Pferde eine sehr motivierte Einstellung dem Training gegenüber. Dies ist uns sehr wichtig. Ein richtig gutes Ranchhorse macht seine Arbeit nicht nur weil es ihm gesagt wird, es ist mit voller Überzeugung dabei.

Uns ist es wichtig, Pferde auszubilden, die genug Training auf dem Reitplatz haben, um fein geritten werden zu können, aber auch durch die Gewöhnung an alle möglichen Situationen zu zuverlässigen, vielseitigen und unkomplizierten Partnern werden, die mit ihren Reitern überall hin kommen.